Jugendfreiwilligendienst

Der Jugendfreiwilligendienst

Falls Ihr noch nicht genau wisst was ihr nach der Schule machen wollte – ob Ausbildung oder Studium – ist ein Jugendfreiwilligendienst eine gute Möglichkeit schon einmal unter fachkundiger Betreuung in ein bestimmtes Berufsfeld zu schnuppern. Dabei sammelt man wertvolle Praxiserfahrungen und Orientierung für die spätere Berufswahl, zudem wird das Freiwilligenjahr als Wartejahr für das Studium angerechnet oder kann den praktischen Teil des Fachabiturs darstellen.

Ein Jugendfreiwilligendienst lässt sich auf verschiedene Arten gestalten, sodass viele Interessengebiete abgedeckt werden, und welche Möglichkeiten man hat, könnt ihr hier nachlesen.

Falls ihr euch über ein bestimmten Jugendfreiwilligendienst informieren wollt, könnt ihr das in der Agenda direkt auswählen, oder ihr verschafft euch einen generellen Überblick.

Freiwilliges Soziales Jahr

Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist genau das Richtige für Menschen, die gerne für andere Menschen, egal ob jung oder alt, da sind und helfend zur Seite stehen.

Es besteht die Möglichkeit sich im Kindergarten oder einer Schule zu engagieren, oder im Alters- und Pflegeheim, sowie im Sportverein. Man kann auch Tätigkeiten beim Sozialdienst, der Behindertenbetreuung und Krankenhäusern annehmen.

Generell ist ein FSJ bei allen sozial-karikativen und gemeinnützigen Organisationen möglich.

Schulische Voraussetzungen gibt es nicht, jedoch ist eine Arbeitserlaubnis notwendig. Zudem muss man zwischen 15-26 Jahre alt sein, ab 18 Jahren ist auch ein FSJ im Ausland möglich. Die Zeitspanne eine FSJ kann zwischen 6, 12 und 18 Monaten variieren, meist sind es 12 Monate. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, jedoch sollte man in einer guten gesundheitlichen Verfassung sein, Spaß am Lernen und im Umgang mit Personen haben und Stressresistenz sein.

FSJ- Plätze kann man über den Freiwilligen Server des jeweiligen Bundeslandes finden und sich über die Seite auf den gewünschten Einsatzort bewerben.

Wöchentlich leistet man ungefähr 40 Stunden und wird vom Träger der Einrichtung mit einem Taschengeld entlohnt, welches um die 500 Euro im Monat betragen kann. Während des FSJs erhält man weiterhin Kindergeld und hat Anspruch auf 26 Urlaubstage. Des weiteren ist man durch die Einsatzstelle Kranken- Pflege- Unfall- und Arbeitsversichert.

Christina (18)
Ich mache ein FSJ in einer Schule für Kinder mit Autismus und bin in der Mittelstufe beschäftigt, in der die Kinder 10 bis 13 Jahre alt sind.Weiterlesen

In der Schule stehen lebenspraktische Aufgaben im Vordergrund, zudem gibt es Lerneinheiten wie Sachunterricht oder Mathe. Zudem wird Einzelförderung angeboten, sodass an den „Baustellen“ der Kinder in einer eins zu eins Betreuung gearbeitet werden kann. In der Schule kochen und essen wir zusammen mit den Kindern, um die Schüler auf das richtige Leben vorzubereiten. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß und nun möchte ich Sonderpädagogik studieren. Das hat mich selbst überrascht, da ich das FSJ eher zur Überbrückung nutzen wollte und das soziale Feld voher nicht in Betracht gezogen habe. Somit hat mir das FSJ in meiner beruftlichen Orientierung sehr geholfen.

Leilani Didschuns
Für mein FSJ arbeite ich mit seelenpflegebedürftigen Menschen in einer Kunstwerkstatt. Dort betreue ich Menschen mit Behinderungen, fördere sie, möglichst selbständig zu arbeiten und bearbeite die Produkte, damit sie verkauft werden können. Ich gestalte Mappen, Blöcke, und Malbretter. Außerdem filze ich mit den betreuten Arbeitern, falte und klebe Karten und verarbeite Papier in Geschenktüten, Boxen, Umschläge und Lesezeichen.Weiterlesen

Manchmal finde ich es schwierig, Grenzen zu ziehen, da jeder anders ist und individuelle Hilfe benötigt. Die größte Herausforderung ist die Geduld zu behalten, zum Beispiel wenn jemand dieselbe Frage mehrmals wiederholt. Am besten gefällt mir an dieser Arbeit, dass ich das Leben der Menschen mit ihnen gestalte und das diese Menschen so ehrlich und offen sind. Ein zusätzlicher Höhepunkt meiner Arbeit ist, dass ich meiner Kreativität freien Lauf lassen darf.

Bundesfreiwilligendienst

Der Bundesfreiwilligendienst lehnt sich an das FSJ an, jedoch mit dem Unterschied, dass auch Menschen über 27 teilnehmen können. Die Einsatzstellen sind genauso vielfältig wie beim FSJ, sodass die Möglichkeit besteht sich im sozialen Bereich wie Kinderbetreuung, Rettungsdienst oder auch Obdachlosenhilfe zu beschäftigen, zudem kann man auch im kulturellen, integrativen und sportlichen Bereich z.B im Museen, Theatern, Sportvereinen, aber auch als Assistenz für verschiedene Pädagogen tätig sein.

Innerhalb des meist zwölfmonatigen Dienstes sind 25 Bildungstage vorgesehen, in denen der Fokus auf die Teilnehmer gelegt wird. Die Seminare variieren je nach Verband, jedoch ist das Seminar zur politischen Bildung fester Bestandteil, in dem die eigenen Entscheidungen mit den gesellschaftlichen Kontext gesetzt werden und der Wert zur politischen Urteilsbildung thematisiert wird.
Für Personen über 27 sind meist weniger als 25 Tage vorgesehen, dort wird ein Tag pro Monat gerechnet.

Hallo, ich heiße Laura und habe mich dafür entschieden nach meiner Schulzeit einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Sport am Gymnasium Lehrte zu machen.Weiterlesen

Zu meinen Hauptaufgaben gehört das Betreuen von Kindern der unteren Jahrgangsstufen und das Leiten der Hausaufgabenbetreuung. Hinzu kommt das Betreuen von einzelnen Lerngruppen und die regelmäßige Aufsicht des Ganztagsbereiches während der Schulpausen. Außerdem kommen immer mal wieder Lehrer auf mich zu und fragen mich, ob ich ihnen bei etwas helfen könnte. So wird mein Arbeitstag, der um 7.45 Uhr beginnt und um 15:30 Uhr endet, gefüllt. Zum BFD gehören zudem Seminare, die sich aus 3 Pflichtseminaren (Grund-, Aufbau- undAbschlusslehrgang), dem politischen Bildungsseminar und fünf frei wählbaren Seminartagen zusammensetzen. Mit diesen Seminaren und einer selbst gestalteten Lehreinheit kann man die C-Breitensportlizenz kostenfrei erhalten. Bei diesen Seminartagen treffen sich Freiwillige für fünf Tage. Man arbeitet in Gruppen und redet über die Aufgaben und Schwierigkeiten in den Arbeitsstellen. In dem Seminar werden darüber hinaus auch die rechtlichen Aspekte, die mit dem Arbeiten mit Kindern einhergehen, angesprochen. Als größere Aufgabe gehört in dem freiwilligen Jahr ein Projekt dazu, das man selbst erarbeitet und in seiner Einsatzstelle durchführt. Dieses kann ganz unterschiedlich aussehen und man kann selbst entscheiden, was einem Spaß machen würde und womitman sich beschäftigen möchte. Ich habe mich für ein Projekt entschieden, bei dem individuelle Weihnachtskarten von dem fünften und sechsten Jahrgang entworfen wurden. Diese selbst gestalteten Karten wurden dann verkauft und mit dem eingenommenen Geld wird die Schule und ein Kinderhospiz unterstützt.
Als Fazit sehe ich das Jahr als gute Möglichkeit zur Orientierung nach der Schule. Das Arbeiten mit den Kindern macht großen Spaß und ist abwechslungsreich. Da man nicht als Lehrer angesehen wird, sondern mehr als Ansprechperson ihnen zur Seite steht, lernt man die Schüler besser kennen, redet privater mit ihnen und ist mit ihnen mehr auf einer Ebene. Abgesehen von den Kinder hat man hier viel Freiraum, wodurch man selbstständig arbeiten kann. Trotz des eigenständigen Arbeitens und der damit einhergehenden Verantwortung, kann ich mit Fragen und Problemen immer auf meine Mentoren zugehen und treffe immer auf offene Ohren. Es gefällt mir gut, dass ich mich einbringen kann und etwas selbst gestalten kann.Die Seminare hingegen entsprechen nicht meinen Vorstellungen. Ich habe mir mehr, beziehungsweise ausführlichere Inhalte erhofft, die nicht nur vom logischen Denken erschlossen, sondern auch mithilfe von anderen Materialien ergänzt werden. Auf diese Weise könnte man das Gefühl von Unterforderung beseitigen und somit die Motivation ander Sache steigern. Ganz gut war es, dass die Referenten auf Augenhöhe waren. Du bist nicht auf sie angewiesen, wie man es aus der Schule kennt, was eindeutig positiv zubewerten ist. Zu dem kommen auch noch die MitFSJler. Diese waren freundlich und offen. Man hat schnell Anschluss gefunden und hatte viel Spaß zusammen, sowohl während der Seminare als auch danach.

FSJ Diakonie

Das Freiwillige Soziale Jahr Diakonie ist genauso aufgebaut wie ein FSJ. Die Unterschiede bestehen darin, dass die Einsatzstellen diakonisch und kirchlich sind und man so auch in einer Kirchengemeinde tätig sein kann. Die Einsatzfelder sind kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, Jugendhilfe, Förderschulen, Behindertenhilfe, Altenhilfe und Diakonie- und Sozialstationen.

Rechtlich ist es wie beim normalen FSJ geregelt, darüber hinaus kann man sich das diakonische Jahr als praktischen Teil der Hochschulreife im Gesundheits- und Sozialwesen anerkennen lassen oder als Vorpraktikum für soziale Berufe nutzen.

Erwartung an die Teilnehmer besteht natürlich aus Teamfähigkeit, Spaß am Umgang mit Menschen, Neugier auf kirchliche und diakonische Einsatzfelder, sowie das Interesse sich mit Lebensfragen und religiösen Fragen zu beschäftigen.

FSJ Politik

Das Freiwillige Soziale Jahr Politik ist ein Angebot für Teilnehmer zwischen 16 und 26 im politischen Bereich. Mögliche Einsatzfelder sind politische Stiftungen, Ausschüsse/Verwaltungen in Kommunal- und Landesparlamente, Kommunalverbänden, öffentlich-rechtliche Medien, Einrichtungen der überparteilichen Bildung, Menschenrechtsorganisationen und politischen Fraktionen des Landtages. Ziel eines FSJ Politik ist es sich mit politischen Prozessen auseinander zu setzen und seinem eigenen Berufswunsch näher zu kommen. Zudem soll Toleranz und Respekt gegenüber anderen Haltungen angestrebt werden und ein Einblick in geregelte Konfliktbewältigung und Interessensausgleich gegeben werden.

Momentan wird das FSJ Politik noch nicht bundesweit angeboten, sodass eine Auswahl zwischen 7 Bundesländern besteht.

FSJ Digital

Das Freiwillige Soziale Jahr Digital ist ein Modellversuch und hat die gleichen Voraussetzungen wie in einem normalen FSJ und auch die gleiche rechtliche Grundlage über Versicherungen, Zeitspanne, Arbeitszeiten etc.

Im FSJ Digital erlernt und nutzt man Medien für gemeinnützige Einrichtungen. Hier ist es möglich Computer- und Smartphone Kurse in Mehrgenerationenhäusern für ältere Menschen anzubieten. Darüber hinaus kann man selbst Projektideen einreichen und diese in der gewünschten Einsatzstelle umsetzen, wie zum Beispiel eine Website über die Lebensgeschichten der Leute aus dem Altersheim oder eine anschauliche Website für eine gemeinnützige Einrichtung.

Da es erst seit 2017 Modellversuche gibt, ist das digitale Jahr noch sehr vage gestaltet, jedoch bietet dies auch die Möglichkeit sich durch die Projektvorschläge sehr frei einzubringen.

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Das Freiwillige Ökologische Jahr ist für naturverbundene junge Menschen gedacht. Thematisch geht es um die Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt, Umweltverschmutzung, ökologische Landwirtschaft und den Klimawandel. Schwerpunkte variieren je nach Einsatzstelle, in denen ein vielfältiges Angebot besteht. Mögliche Einsatzstellen sind biologische Stationen, Naturschutzzentren, botanische Gärten und landwirtschaftliche Höfe. Somit ist für den Waldliebhaber und den Tierfreund alles dabei. Das Angebot richtet sich an Personen zwischen 16 und 27 Jahren.

FÖJ- Plätze kann man über den Freiwilligen-Server des jeweiligen Bundeslandes finden und sich über die Seite auf den gewünschten Einsatzort bewerben. Manchmal ist es möglich direkt beim Einsatzort ab 18 Jahren zu leben, zudem kann bei Antragstellung Wohngeld zurückerstattet werden, wenn die Einsatzstelle keine eigenen Unterkünfte zur Verfügung stellen kann.

Die Dauer beträgt meist 12 Monate. In dieser Zeit sind 5 Seminare vorgesehen, die jeweils 5 Tage dauern. Bei den Seminaren wird nachhaltiges Leben und Demokratie vermittelt und es wird ein Austausch zwischen den Freiwilligen ermöglicht.

Eine Vergütung ist vorgesehen, die je nach Bundesland und Einsatzort variiert. Zudem kann Wohngeld beantragt werden, falls der Wohnsitz gewechselt werden muss. Reisekosten, sowie die Anschaffung einer BahnCard 25, die zu Seminaren anfallen, werden erstattet.

Ole
Nach meinem mehr oder weniger erfolgreichem Abi auf dem Gymnasium Lehrte musste es ja irgendwie weiter gehen. Da ich keine Ahnung hatte was ich studieren will oder welche Ausbildung ich starte, kam für mich erstmal ein freiwilliges Jahr in Frage.Also bewarb ich mich einfach mal bei ein paar Stellen und wurde schließlich auf einem Bio-Bauernhof angenommen.Weiterlesen

Dort bin ich nun seit einem knappen halben Jahr und ich kann nur Positives sagen.Ich wurde super gut aufgenommen und die ersten Wochen eingearbeitet, sodass ich schnell alltägliche Aufgaben, wie die Pflege der Tiere, eigenständig bewältigen konnte. Mit meinen netten und hilfsbereiten Kollegen machen selbst Arbeiten wie Unkraut jäten im Regen großen Spaß. Das gemeinsame Ziel, das Mittagessen, vor Augen, vergeht die Zeit wie im Flug. Zu meinen persönlichen Highlights zählen die 95% der Arbeitszeit, die ich draußen verbringen darf. Es wird nie langweilig, da es so viele unterschiedliche Dinge zu tun gibt. Den einen Tag ist man Maler und streicht eine Beregnungsanlage und wieder einen anderen pflanzt man wie ein Gärtner Sträucher um. Zu einem Jahr als Freiwilliger gehören auch Seminare mit anderen Freiwilligen, die über das Jahr verteilt sind. Diese kann man am besten mit Klassenfahrten vergleichen. Man hat ein bestimmtes Thema über das man sich innerhalb des Seminars informiert, aber auch viel Freizeit und spaßige Aktivitäten. Informiert euch und macht auch so ein Jahr! Es hilft bei derWahl des zukünftigen Bildungsweges und macht einfach großen Spaß!

Ökologischer Bundesfrewilligendienst

Der Ökologische Bundesfreiwilligendienst ist als „grüner“ Bundesfreiwilligendienst zu verstehen. Wie auch im BFD können Teilnehmen auch über 27 Jahre alt sein.

Die Einsatzorte lehnen sich an das FÖJ an mit Möglichkeiten im Natur- und Umweltschutz wie Umweltbildung, ökologischem Gartenbau und biologischer Landwirtschaft.

Da es keine Altersbegrenzung gibt, arbeiten die Träger der Einsatzstellen bundesweit anders. Manche gliedern die ÖBFDler in die FÖJ-Gruppen ein, andere setzen das Alter auf 27 Jahre herunter oder schafften erst Gruppen für erwachsene Teilnehmer.

Eine Abgrenzung zum FÖJ ist, dass Teilnehmer über 27 die wöchentliche Einsatzzeit reduzieren können, von Vollzeit auf 20 Wochenstunden. Zudem müssen Teilnehmer nur ein Seminartag pro Monat ableisten, jedoch ist ein Seminar zur politischen Bildung verpflichtend.

Freiwilliger Wehrdienst

Der Freiwillige Wehrdienst kann ab 17 Jahren (mit Einverständniserklärung der Eltern)  bei den Streitkräften absolviert werden und die Zeitspanne ist persönlich anpassbar bis 23 Monate. Voraussetzung ist zudem die abgeschlossene Vollzeitschulpflicht.

Die Streitkräfte teilen sich in Heer, Marine, Luftwaffe, Sanitätsdienst, Streitkraftbasis und Cyberkräfte, in denen es noch weitere Aufteilungen gibt.

Die ersten sechs Monate sind eine Probezeit, sodass die Bundeswehr sowie der FWDLer, der die Grundlage des Soldatenberufes in der Zeit kennenlernt, sich aufeinander einstimmen können und falls es Unstimmigkeiten gibt, kann von beiden Seiten aus gekündigt werden. Das Dienstverhältnis wird danach auf die gewünschte Zeit angepasst und ist auch verpflichtend. Nach dem Freiwilligen Wehrdienst ist es für gute Absolventen möglich Soldat*in auf Zeit zu werden oder einen guten Einstieg in die Streitkräfte zu erlangen.

Der Wehrsold liegt über dem Mindestlohn und steigert sich mit der Zeit, die bei der Bundeswehr verbracht wird.

Kent
Ich habe von Anfang Oktober 2018 bis Ende Juli 2019 meinen Freiwilligen Wehrdienst in Hannover abgeleistet. In diesen 10 Monaten habe ich einen Einblick in die Lebens-und Arbeitswelt eines Bundeswehrsoldaten erhalten können.Weiterlesen

Es war eine bereichernde Zeit. Zum einen wegen der gewonnenen Lebenserfahrung und zum anderen wegen den Kontakten, die ich innerhalb der Truppe knüpfen konnte.
Der Freiwillige Wehrdienst ist so eingeteilt, dass man direkt nach Dienstantritt die drei-monatige Allgemeine Grundausbildung, genannt AGA, durchlaufen muss. In ihr habe ich verschiedene soldatische Grundfertigkeiten erlernt: Die Etikette der Bundeswehr, Erste Hilfe, Rechte und Pflichten eines Soldaten, Schießen und Gefechtsdienst. Der Tagesablauf sah typischerweise so aus, dass ich um 05:30 zusammen mit meinen drei Stubenkameraden aufgestanden bin und wir zuerst den Raum gesäubert haben (Fegen, Staubwischen etc.). Um 6:00 Uhrsind wir zum Frühstück. Anschließend trat der gesamte Zug, ca. 25 Soldaten, im Flur an und die Uniformenwurden von Vorgesetzten auf Sauber-und Vollständigkeit überprüft. Danach wurden die Stuben kontrolliert. Wenn alles gut ging war man bis 08:00 damit durch. Der Morgen war während der AGA eine Konstante. An Theorietagen ging es nach 08:00 in die verschiedenen Unterrichte. Wir bekamen alles erst einmal theoretisch erklärt. Egal ob Schießen oder Erste Hilfe. Andere Themen, die behandelt wurden, waren z.B. Geschichte der Bundeswehr, politische Bildung und Rechtskunde. An Praxistagen sah der Ablauf nach 08:00 anders aus. Je nach Thema ging es auf den Standortübungsplatz oder auf die Übungswiese vor der Baracke. Dort wurde z.B. an der Waffe gearbeitet oder das Bauen von Stellungen simuliert.
In der AGA lernt man vor allem eines: Kameradschaft.
Besonders dieser Teil hat mich in meinen Zehn Monaten und auch darüber hinaus begleitet. Das Achten des Mitmenschen ist eine Kernkompetenz im Leben und Kameradschaft ist eine besondere Form davon. Ich habe gelernt und gesehen, dass es manchmal einfach richtig und wichtig ist, sich für den anderen buchstäblich in den Dreck zu legen. Nach den drei Monaten musste ich mich leider von meinem Zug verabschieden. Jeder wurde zu seinen jeweilige Stammeinheiten befohlen, welche überall in Deutschland verteilt waren. Ich hatte Glück und durfte an dem gleichen Standort bleiben an dem ich auch meine AGA durchlaufen hatte: Hannover. Ich muss vorab sagen, dass die Tätigkeit für FWDler in den Stammeinheiten sehr unterschiedlich sein kann. Allgemein ist man erst einmal der niedrigste Dienstgrad in seiner Kompanie und wird dementsprechend auch eher mit den nicht sonderlich beliebten Aufgaben betraut. Ich denke aber, dass das in den meisten Betrieben ähnlich und nicht spezifisch für die Bundeswehr ist.
Soldaten unter 25 müssenin der Kaserne schlafen, außer sie haben eine Sondergenehmigung. Man muss sich also keine Sorgen machen eine Wohnung in Standortnähe zu finden. Außerdem hat man dadurch einen kurzen Arbeitsweg. Für mich begann der Tag in der Stammeinheit um 06:30 und endete um 16:30. Die Inspektion in der ich gedient habe, war dafür zuständig Soldaten für den Dienst in der Bundeswehr zu spezialisieren. Selbst war ich darin nicht direkt involviert, sondern in den Zuarbeiten für die Lehrgänge. Primär habe ich Versorgungsaufgaben wahrgenommen, aber auch manchmal organisatorische, wie z.B. das Kontaktieren der Einheiten der Lehrgangsteilnehmer. Auch wenn ich nicht direkt in der Ausbildung beteiligt war, konnte ich durch Gespräche mit den diensterfahrenen Soldaten vieles für mich mitnehmen. Einige waren in den in den großen Einsätzen der Bundeswehrwie Mali und Afghanistan gewesen und erzählten von ihrer Zeit dort. Beeindruckend für mich persönlich.
Auch wenn man deshalb nicht den FWD antreten sollte: Auch die finanzielle Seite des Freiwilligen Wehrdienstes istdurchaus sehenswert. Je nach Dienstzeitdauert verdient ein FWDler 900-1300 Euro Netto. Ab 01.01.2020 sogar bis zu 1500 im Monat. Hinzukommen verschiedene Sachleistungen, die die Bundeswehr kostenlos anbietet, wie z.B. Wohnen in der Kaserne, Verpflegung und Familienheimfahrten. Insgesamt hat sich für mich die Zeit bei der Bundeswehr gelohnt und kann den FWD nur wärmstens für Schulabsolventen empfehlen, die sich charakterlich und arbeitstechnisch weiterentwickeln wollen. Es ist eine gute Gelegenheit ohne größere Verpflichtung, einen Einblick in Deutschlands größten Arbeitgeber zu erhalten. Es ist auch innerhalb des FWDs noch möglich die Laufbahn zu wechseln und Zeitsoldat zu werden.

Europäisches Freiwilliges Jahr

Der Europäische Freiwilligendienst ist Teil des Erasmus+ Programms und wird von der EU gefördert. Die Kosten werden von Erasmus+ getragen und von der Agentur JUGEND für Europa unterstützt. Voraussetzung ist ein Alter zwischen 17-30 Jahren und die Einsatzdauer ist auf 2-12 Monate ausgerichtet, jedoch ist es sinnvoll Englisch sprechen zu können und offen für die Landessprache zu sein. Das EFD kann in allen EU-Staaten und Partnerländern in verschiedenen gemeinnützigen Projekten absolviert werden. Es besteht die Möglichkeit zwischen sozialen, ökologischen und kulturellen Projekten zu wählen, sodass jeder individuell sein freiwilliges Jahr gestalten kann. Zur Vorbereitung auf sein Gastland findet ein Einführungstraining statt sowie ein Seminar zur Halbzeit des Aufenthaltes. Da das EFD finanziell von der EU gefördert wird, werden viele Kosten übernommen. Es können die Kosten von Wohnen und Essen, sowie die anfallenden Kosten vom Visa und Impfungen übernommen werden. Zudem werden die Fahrtkosten, um mobil zu sein, Versicherungen, der Sprachkurs und ein Taschengeld, welches vom Betrag an das Gastland angepasst sind, übernommen. Abschließend erhält man ein Teilnehmerzertifikat der EU.

Fall ein EFD Jahr für dich infrage kommt, solltest du dir spätestens acht Monate vor deinem geplanten Antritt deine Einsatzstelle über das Europäische Jugendportal aussuchen.